Heute früh sind wir um 7:00 Uhr aufgestiegen. Wir haben heute eine etwas längere Tour vor und müssen mehr Zeit einplanen, da wir in bergiges und kurvenreiche Strecke zu erwarten hatten.
Hinzukommt, dass wir Finnland verlassen und in Norwegen nur noch maximal 80 km/h gefahren werden dürfen.
Das Wetter war heute etwas gnädiger mit uns. Der Wind ist nicht mehr so stark und die Böen blieben erstmal aus. Trotz alledem haben wir Temperaturen von 1 bis 3 Grad. Auf einer langgestreckten, hügelig abfallenden Straße sahen wir mit einem mal auf eine riesige schwarze Wand, die Berge von Norwegen.
Hier, erst nach einhundert Kilometern, fanden wir endlich ein Restaurant was geöffnet hatte und wir konnten den ersehnten heißen Kaffee bekommen. Genau an der finnisch-norwegischen Grenze.
Die Landschaft ist danach eine völlig andere. Richtige Berge und Täler, umsäumt von Wäldern und Wiesen. Wir fahren entlang dem Kárášjohka, der sich hier wie eine riesige Schlange durch die Landschaft schlängelt.
bei der nächsten Kaffeepause trafen wir einen Spanier, der in seinem schlechten englisch erklärte, dass er auch zum Norkapp möchte. Allerdings schien er wettertechnisch mit seiner Bekleidung überhaupt nicht vorbereitet zu sein. Er fror fürchterlich.
Trotz des noch immer kalten Wetters werden wir durch die beeindruckenden Landschaften entschädigt, vor allem, als wir den Porsangerfjord erreichen. Der Blick bei leicht durchscheinender Sonne und 4 Grad auf das leicht türkis schimmernde Wasser sieht berauschend aus. Aber Achtung, man muss auf die Straße achten. Nach einer Kurve und einem Hügel standen mit einem mal ein paar Rentiere vor uns, die uns genauso verdutzt angesehen haben, wie vermutlich wir sie. Plötzlich drehten sie sich um und liefen dann eine ganze Weile vor uns her, bis sie dann die Straße verließen. Die Aussicht entlang des Porsangerfjord entschädigte uns für all die Tage, die wir hinter uns haben. Das Wetter wechselte ständig von sonnig, bewölkt und dann wieder mal Regenschauer. Immer wieder gab es Rentiere an den Straßenrändern. Sogar einige Jungtiere waren dabei, die vielleicht mal einen Meter groß waren.
Auch hat sich jetzt in Norwegen einiges geändert. Wir sind in einem anderen Land, der Kaffee kostet nicht mehr 1,50 sonder 25, allerdings jetzt in Kronen und die Uhrzeit ist hier wieder eine Stunde zurückzustellen.
Dann kam der 6.875 Meter lange und an der tiefsten Stelle 212 Meter unter dem Meeresspiegel liegende Nordkaptunnel. So kamen wir auf der Insel Magerøya an und deckten uns erst einmal in Honnigsvåg mit Lebensmitteln ein, denn unsere nördlichste Unterkunft ist wieder eine Hütte Kur vor dem Nordkap. Kurz nach der Abfahrt von Honnigsvåg sahen wir rechts von uns neben zwei Reisedampfern an einer Felswand einen riesigen Regenbogen, der wohl durch den dort fallenden Regen verursacht worden ist.
Der Weg zur Hütte sollte nun aber doch noch eine Herausforderung werden. Es ging jetzt noch mal ordentlich bergauf. Die kahlen Flächen auf der Hochebene waren schneeweiß und es stürmte so heftig, das man so zur Seite gedrückt wurde, dass man sich und auch den Kopf ordentlich gegendrücken musste. Die Temperatur erreichte doch tatsächlich in dieser Anhöhe null Grad. Das war unser Rekord, was die Tiefsttemperatur angeht.
An unserer Hütte angekommen wurde erst mal ausgepackt, aufgewärmt und das Erreichen der nördlichsten Unterkunft begossen.
Nachtrag zum Abend. In der Hütte nebenan war ein berliner Päärchen untergebracht, die Marko, wie kann es auch anders sein, beim Rauchen vor der Hütte kennengelernt und zum gemeinsamen Schwätzchen eingeladen hat. Wir hatten Kola und Wodka, die beiden brachten ein Sixpack Finnischen Biers mit. Aus der netten Unterhaltung mit den Beiden, stellt sich unter anderem heraus, das Marko und Ina das gleiche Interesse hatten zum Kirkeporten zu gehen, einem Felsentor mit Blick auf das Nordkap sowie das Nordkaphorn. Wir entschlossen uns dann, diese Wanderung sofort zu machen. Es war ca. 22:00 Uhr als es losging. Es war immer noch hell. Ina hatte zusätzlich noch ein zweites Ziel, einen Geocach zu finden. Die beiden waren sogar mit einem GPS-Gerät ausgestattet. Also wanderten wir los. Zuerst ging es auf der Straße an einem See namens Storvanet vorbei und stiegen auf den Hügel, der zur Felsformation und dem Geocach führen sollte. Wir fanden dann auch irgendwie den richtigen Weg über Schneeflächen und Felswände. Und da war es, die wie ein Kirchportal aussehende Felsformation. Über einen schmalen Weg gelangen wir direkt zum Portal und stießen dort mit einem von Ina und Matthias mitgebrachten Grog aus der Thermoskanne an. Nun ging es noch darum Inas Cach zu finden. Nach ein wenig herumstöbern an den Felsen, und es gab dort reichlich, sowie dem Herumklettern in den Felswänden, rief Ina mit einem mal "Ich habs!" und hob stolz eine vermutlich ausgediente Eisdose mit allerhand Kleinkram in die Höhe. Geschafft. Nun könnte es ja nach hause gehen. Wir wählten natürlich den Weg auf der anderen Seite des Sees, an dem wir zuvor an der Straße vorbeigelaufen sind. Es ging immer wieder über Felsen, Bodengewächsen und Schneeflächen, wo wir uns nie sicher waren, wie tief diese sind oder ob sich Wasser darunter befindet, denn der höherliegende Schee schmolz und man hatte überall kleine Rinnsale. Es ging immer gut, doch dann hatten wir einen breiteren Bach vor uns. Umkehren kam nicht in Frage, denn wir sahen jetzt unsere Hütten schon und es war bereits Mitternacht. Marko durchschritt mit seinen wasserdichten Motorradstiefeln, mit denen er wunderbar wandern konnte, als erster durch eine flache Stelle den Bach. Ina und Matthias hinterher. Meine Schuhe waren weder so hoch noch dicht. Also ausziehen und barfuß durch den Bach. Erstaunlicherweise war dieser Bach bei weitem nicht so kalt, aLSD ich erwartet hätte. Nun stand nur noch ein steiler Hang zu den Leitplanken unserer Straße bevor, die wieder zu unseren Hütten führte. Es war mittlerweile dreiviertel eins und immer noch hell. Wir nahmen noch einen absacken auf unserer Hütte und ließen den Abend oder Morgen ausklingen. Das war meine erste Nachtwanderung im Hellen.
Fakten |
|||
| von: | Rovaniemi | Strecke: | 368 km |
| nach: | Inari | Fahrzeit: | 04:45 h |
| Wetter: | Stark bewölkt, 0 bis 4 Grad, bewölkt, teilweise regnerisch,teilweise sonnig, windig | Gesamt: |
5.395 km 78:01 h |