Regen, Schnee, zugefrorene Seen, Rentiere und Temperaturen ab 3 Grad.
Der Wetterbericht hatte es schon vorhergesagt. Schon beim Start nach Hossa regnete es bei 5 bis 7 Grad. Wir haben uns schön eingemummelt. Es ging wieder über lange Straßen mit kleinen Hügeln. Bei solch einem Wetter ist man froh die Vorteile einer Reiseenduro gegenüber einem Superbike nutzen zu können. Die guten Dreifingerhanschuhe und die Kombi halten hinter dem Windschild und dem breiten Tank schön warm. Irgendwann wurde es Marko auf seinem Superbike zu kalt und wir fanden eine Tankstelle, wo es mal wieder heißen Kaffee gab. Nach 2 Kaffee bzw. einer finnischen Fanta ging es dann weiter. Später stellten wir fest, dass dies die einzige Tankstelle auf unserer 290 Kilometer langen Tour war. Am Straßenrand fanden sich immer wieder Schneereste.
Auf einer unbefestigten Straße ging es zwei Kilometer in den Wald zu einem Aussichtspunkt. Dieser Wege endete plötzlich vor ein paar Gehöften. Erst nach einem Blick zurück entdeckten wir ca. einhundert Meter hinter uns einen hölzernen Aussichtsturm. An diesem Aussichtsturm gab es noch eine überdachte Lagerfeuerstelle, ein Kaminholzhüttchen und ein kleines Gesellschaftshäuschen, welches gepflegt mit einem Kamin und Bänken ausgestattet ist. Auch ein Klohäuschen durfte auf dieser Lichtung nicht fehlen. Wir stiegen den ca. 10 Meter hohen Turm hinauf und genossen ein wenig die Aussicht, wie das bei leichtem Nieselregen so geht.
Dann ging es weiter nach Osten. Die nächsten Seen, den wir so sahen, waren noch zu Hälfte zugefroren. Wir haben heute den 31. Mai! Dieser Schwenk nach Osten, den wir ja führen, hatte ja seinen Grund, denn hier gab es aus unserer Sicht tatsächlich mal etwas besonderes in Finnland zu sehen, nämlich das “Stille Volk”. Das sind wohl so an die 1.000 Kreuze die jedes Jahr wieder mit einem Spatenstich aus Gras und ein wenig Wurzelwerk einen Kopf bekommen und dann eingekleidet werden, sodass man, wenn man am Straßenrand steht, von einer Armada von schweigenden Vogelscheuchen angestarrt wird. Das ist schon ganz schön skurril. Manche tragen neben Jacken, Mänteln oder Hemden mit Krawatte sogar Taschen oder Hüte, manche ein Kopftuch. Wir haben doch tatsächlich einen Helmträger entdeckt. Das Wiesencafé bereitete sich gerade mit ein paar Handwerkern auf die Eröffnung der Saison vor, die Anfang Juni sein wird, daher haben wir diesmal keinen Kaffee bekommen. Es sah jetzt aus, als ob sich der Himmel lichten wollte, aber dort, wo wir hin wollten war er tiefgrau. Die Temperaturen erreichten hier sogar 10 Grad. Das war heute mal warm für uns.
Dann ging es wieder einmal mit ein paar Kurven nach Hossa, wo wir uns eine Hütte mieten wollten, mit Kamin und Seeblick. Das hier unterwegs ab un zu Felsen rumliegen, war mir ja klar, aber als mich einer dieser Felsen am Straßenrand mich im Vorbeifahren plötzlich ansah, habe ich mich ganz schön erschrocken. Es war ein Rentier, soweit ich weiß, mein erstes Rentier in freier Wildbahn. Kurz darauf tauchen wieder zwei Rentiere auf. Diesmal halte ich, um zu fotografieren an. Sie bleiben erst völlig ohne scheu stehen. Erst als ich näher rangehe flüchten sie durch das Dickicht eines Waldes. Marko meinte, ich solle jetzt bloß nicht bei jedem Rentier anhalten, ich bekäme noch genug zu sehen, vor allem, wenn sie auf der Straße stehen. Na ja, kurz darauf rannte tatsächlich das nächste Rentier auf der Straße und Marko fuhr langsam hinterher, bis es die Straße zu einem zweiten Rentier verließ und uns beim vorbeifahren ansah. Man muss allerdings wissen, dasswir gerade ein Rentierzuchtgebiet durchfahren. Daher tragen die Rentiere auch Glocken um ihren Hals. Tja, das wars mit der Romantik.
Die Temperatur sank mittlerweile auf 3 Grad. Als wir in Hossa ankamen, fragte uns die Betreiberin des Campingplatzes allen ernstes, ob wir Zelten oder eine Hütte nehmen wollten. Sie hätte da nur eine kleine Hütte mit Sauna im Angebot. Klein? Naja, da kannten wir ja so einiges. Hier hatten wir mal richtig Platz. Ein großes Zimmer mit Couch, Esstisch und einem doppelstöckigen Bett und ein separates Schlafzimmer, Kamin, Sauna und Dusche in der Hütte mit separatem Eingang. Gebucht! Im Übrigen ist der am Campingplatz befindliche Badesee komplett zugefroren, aber sicher nicht mehr begehbar.
Bevor ich die Ankunft genießen konnte, mussten die ersten technischen Probleme behoben werden. Die Halterung der Gopro-Kamera schien stark zu wackeln. Nun stellte sich heraus, das die Halterung zwei mal gebrochen war, zum Glück, ist die Kamera noch drangeblieben. Und dann ist nach 4.500 Kilometern nun doch die erste Scheinwerferbirne durchgebrannt. Ich hatte ehrlich gedacht, dass dies früher passiert.
Nach einem Kaffee und ein paar Cockies habe ich mir die Sauna vorgenommen und Marko ein kleines Nickerchen gemacht. Wärend meiner Saunagänge fing es tatsächlich an zu schneien, richtig dicke Flocken, sodass unsere Moppeds tatsächlich eine kleine Wattedecke bekamen. Gegen abend, also ca. 22:00 Uhr kam teilweise sogar die Sonne durch.
Fakten |
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| von: | Oulu | Strecke: | 290 km |
| nach: | Hossa | Fahrzeit: | 03:48 h |
| Wetter: | Stark bewölkt, 9 bis 11 Grad | Gesamt: |
4.423 km 65:42 h |